Natürlich glauben

allein aus Liebe

Der Skandal als Kraftquelle

Predigt zu 1. Kor. 2,1-10

Als bekannt wurde, dass Guttenberg seine Doktorarbeit aus dem Internet abgeschrieben hatte, war das ein Skandal, der ihm seinen Posten als Minister kostete.
Als 2009 bekannt wurde, dass Schiedsrichter gegen viel Geld Fußballspiele beeinflussten, war das auch ein Skandal.
Als 1558 Maria Stuart, Königin von Schottland, bei ihrer Hochzeit ein weißes Brautkleid trug, was das ebenfalls ein Skandal. Denn Weiß war damals die Farbe für Trauer und Tod. Wir kennen das noch als weiße Lilien in Sarggestecken.

In den 1550er Jahren war es ein Skandal in Weiß zu heiraten. In unseren 50/60er Jahren war es ein Skandal nicht in Weiß zu heiraten. Heute ist es wieder anders. Hartweiß ist fast nicht mehr zu finden. Viele heiraten eher in gedecktem Weiß, in Champagner- oder Creme-Weiß. Oder auch ganz farbig bunt.
Niemand regt sich mehr auf. Anscheinend hat, was ein Skandal zum Skandal macht, auch mit Geschmack zu tun.
Als am 7. April im Jahre 30 nach Christus der Mann Jesus von Nazareth am Kreuz hing und starb, war es ein Skandal. Hatte er doch behauptet Gott selbst zu sein.
Der Apostel Paulus schreibt:
„Wir aber verkünden (Euch) den gekreuzigten Christus als den von Gott versprochenen Retter. Für Juden ist das ein Skandal, eine Gotteslästerung, für die anderen barer Unsinn.“ (1. Kor 1,23)
Heute ist die Kreuzigung Allgemeinbildung. Aber ist es noch ein Skandal?
Schmecken wir den Skandal des Kreuzes noch? Oder sind wir zu satt für Gott?

Das Lexikon sagt: Ein Skandal bezeichnet ein Aufsehen erregendes Ärgernis und die damit zusammenhängenden Ereignisse. (Quelle: Wikipedia)

Ein Skandal ist ein Tabubruch. „Das geht doch nicht!“, so heißt es dann, wenn ein Skandal öffentlich wurde. „Das können die doch nicht machen. Dass ein Präsident ein Verhältnis mit seiner Praktikantin anfängt und dann auch noch direkt im Büro, quasi unter den Augen der Ehefrau!“
Erinnern Sie sich noch? Bill Clinton und Monica Lewinsky. Diese Affäre war 1998 ein Skandal, der US-Präsident Clinton fast das Amt gekostet hätte.

„Das geht doch nicht: einfach behaupten, ein Gott stirbt! Was denken sich diese Jünger von diesem Jesus eigentlich dabei und wie kann dieser Apostel Paulus das einfach so weiter tragen?! Ein echter Gott ist herrlich und majestätisch und vor allem unsterblich! Wenn er sterben kann, ist er auch kein Gott. Eine Phantasiefigur vielleicht, auch ein großer, besonderer Mann. Aber doch niemals ein Gott! Das ist ja ein Skandal. Das ist Gotteslästerung.“

So haben die jüdischen Menschen geantwortet, wenn Paulus den christlichen Glauben mit ihnen teilte. „Der Gott, der Himmel und Erde geschaffen hat, kann nicht sterben!“
Und die anderen, die Griechen (wie es manchen Übersetzungen heißt), die philosophisch denkenden Menschen hielten es für Geschwätz, für baren Unsinn. „Jaja, Gott und sterben und wieder auferstehen. Alles klar.“, so sagen sie und gingen lachend davon, als Paulus es ihnen erklären will. So lesen wir in der Apostelgeschichte (17 – Areopagrede).

Der Skandal – ein aufsehenerregendes Ärgernis oder eine große Dummheit.
Was davon ist die ganze Sache um Bundespräsident Christian Wulff?
Der amerikanische Soziologie-Professor und Autor Tony Campolo sagte einmal in einer Predigt: “Drei Dinge möchte ich heute gerne sagen. Erstens: Während Sie heute Nacht geschlafen haben, sind 30.000 Kinder verhungert oder an den Folgen von Unterernährung gestorben. Zweitens: Die meisten von Ihnen interessiert das einen Scheißdreck. Und das Schlimmste ist drittens, dass Sie sich mehr daran stören, dass ich (hier von der Kanzel) ‘Scheißdreck’ gesagt habe, als daran, dass heute Nacht 30.000 Kinder gestorben sind.” (Zitat Ende)

Stimmt das? Machen wir Dinge zu Skandalen, die keine sind?
Und die, die echte Skandale sind, lassen uns kalt?

Bei Hit-Radio Antenne lief vor Weihnachten eine Spendeaktion für „arme Kinder“:
„Kinderarmut in Niedersachsen – kaum denkbar. Doch immer öfter erfahren wir von Kindern in Not, von Kindern deren Eltern selbst kaum über die Runden kommen, Kindern, die keine warme Mahlzeit bekommen und die nichts Warmes zum Anziehen haben.“

Das ist doch ein Skandal, dass es das gibt! Obdachlose Kinder in unserem Bundesland. In unserer Nähe. Warum titelt nicht täglich die BILD-Zeitung darüber?

Ja, Hunger ist ein Skandal. Ein Tabubruch. Immer noch. Auch wenn es in den Medien und unseren Köpfen längst kein großes Aufsehen mehr erregt.
Aber was sollen wir tun? Angesicht der enormen Größe des Unglücks? In unserem Land? Weltweit?

Paulus schreibt:
1 Brüder und Schwestern, als ich zu euch kam und euch Gottes verborgenen Plan zur Rettung der Menschen verkündete, habe ich euch doch nicht mit tiefsinniger Weisheit und geschliffener Redekunst zu beeindrucken versucht.
2 Ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu kennen als Jesus Christus, und zwar Jesus Christus, den Gekreuzigten.
3 Als schwacher Mensch trat ich vor euch und zitterte innerlich vor Angst.
4 Mein Wort und meine Botschaft wirkten nicht durch Tiefsinn und Überredungskunst, sondern weil Gottes Geist sich darin mächtig erwies.
5 Euer Glaube sollte sich nicht auf Menschenweisheit gründen, sondern auf die Kraft Gottes.

Gottes Kraft ist das Wort vom Kreuz. Ausgerechnet der Skandal ist Gottes Hilfe und Kraft für uns.
Oder anders ausgedrückt: Was wir von Weihnachten her kommend behaupten können ist: In der Krippe liegt nicht ein süßes Kind, sondern ein Ärgernis. Und das nicht, weil Maria noch Jugendliche und sie nicht nur nicht in Weiß, sondern gar nicht verheiratet war.

Es ist ein Skandal, ein Ärgernis, weil Gott mit diesem Kind eine neue Zeitrechnung beginnt.
Ja, nun gehen die Uhren tatsächlich anders. Jetzt gilt nicht mehr Schönheit und Reichtum und Erfolg. Jetzt sind plötzlich die Kleinen groß und die Armen und Geringen werden zu den führenden Leuten erklärt. Wer Außenseiter war, darf mitten in die Gesellschaft treten. Der Sünder wird zum Heiligen. Und die sich für heilig halten, werden sprichwörtlich zu Pharisäern, zu Sündern, erklärt.

„Jetzt hebt er seinen gewaltigen Arm und fegt die Stolzen weg samt ihren Plänen. Jetzt stürzt er die Mächtigen vom Thron und richtet die Unterdrückten auf. Den Hungernden gibt er reichlich zu essen und schickt die Reichen mit leeren Händen fort”, so ruft es Maria aus, nachdem sie erfuhr, mit Jesus schwanger zu sein (Lk 1,51-53).

Ich stell es mir so vor: die Reichen, die Schönen, die Erfolgreichen, die Gewinner, die, die auf ihre eigene Leistung stolz sind, werden gerufen haben: Das ist ja ein Skandal!

Für die anderen aber, die mit leeren Händen, leeren Bäuche und erwartungsvollen Augen war es Evangelium. Gute Botschaft. Gottes Kraft. Ein Segen.
Endlich tritt jemand für sie ein. Bedingungslos. Aus Liebe.

Gottes Kraft ist das Wort vom Kreuz. Ausgerechnet der Skandal ist Gottes Hilfe und Antrieb für uns. Motivation trotz riesiger Probleme, die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Eben nicht wegschauen oder resignieren, sondern Dinge ändern, die Gesellschaft aktiv gestalten und prägen als von Gott geliebte Menschen.

2 Ich hatte mir vorgenommen, unter euch nichts anderes zu kennen als Jesus Christus, und zwar Jesus Christus, den Gekreuzigten.

Das Wort vom Kreuz. Es ist wohl so: nicht für jeden schmeckt es nach Skandal.
Und für manche bleibt es barer Unsinn.

Aber denen es zu Herzen geht, die werden berührt und verwandelt. Verändert. Erneuert.
Vielleicht gehören Sie ja auch dazu.

6 Wir verkünden tiefsinnige Weisheit – für alle, die dafür reif sind.
So schreibt der Apostel dann weiter.

Diese reifen Menschen sind Menschen, die nicht mehr auf sich selbst schauen. Sondern Gott und damit den Nächsten im Blick haben. Die freigiebig geben mögen, weil sie spüren und wissen, dass Gott sie versorgt. Die teilen mögen, weil sie wissen und spüren, dass Gott alles mit ihnen geteilt hat. Die glauben, also darauf vertrauen, dass Reichtum und Leben, Lachen und Glück, Glaube, Liebe und Hoffnung mehr werden, je mehr man es ausstreut und unter die Leute bringt und je weniger man klammert und für sich selbst sammelt und behält.

Es sind Menschen, die sich mit den wahren Skandalen unserer Welt nicht abfinden wollen und alles tun, um sie aus der Welt zu schaffen. Für immer.

Es sind Menschen, die danach leben, dass das Wort vom Kreuz einen Skandal bezeugt, den Tod des lebendigen Gottes, der den Kreislauf des Bösen in unserer Welt gerade durchbricht und nicht weiter beschleunigt. Jesus Christus, der gekreuzigte Gott, bietet dem Bösen, dem Unheil und Unglück, der Krankheit und allem Leide Paroli und besiegt es.
Gottes Skandal ist Gottes Kraft für uns, damit die wahren Skandale unserer Welt endlich aufhören.

Häufig genug stehen wir ohnmächtig am Bett eines Kranken und wissen weder ein noch aus. Häufig genug sitzen wir ohnmächtig vor den Fernsehern, sehen das Elend, den Hunger, den Tod und die Katastrophen jeglicher Art und schütteln die Köpfe und können es kaum fassen und wissen kaum wirksam zu helfen. Im Angesicht des großen menschlichen Leids in unserer Welt resignieren wir schnell. Wir ziehen den Kopf ein. Schauen nicht mehr hin und drehen und sorgen uns nur noch um uns selbst.

Margot Käßmann hat einmal gesagt: „Ich werde oft gefragt: ‚Wie denn? Gibt es Gott etwa nicht?’ ‚Ja (doch’, sage ich), ‚aber die Welt ist trotzdem angefüllt von all dem Bösen und immer wieder sind wir mit unserer Ohnmacht konfrontiert. Wir leben nicht in einer erlösten Welt, sondern in der Welt nach der Vertreibung aus dem Paradies. „Mit unserer Macht ist nichts getan.“ Nein, wir sind nicht mächtig. Wir können strampeln und streiten und unser Bestes geben, aber mit all unserer Leistung und unserer Macht werden wir dennoch nicht den Himmel auf Erden schaffen. So zeichnet Martin Luther bis heute ein realistisches Menschen- und Weltbild…. Luther stellt (im Lied „Ein feste Burg“) neben die Ohnmachtserfahrung entschieden die Glaubenserfahrung. Und diese Glaubenserfahrung ist nun gerade in dem erfahrbar, der … durch seine Schwäche, durch seine Aufopferung den Kreislauf der Gewalt und Gegengewalt durchbricht.“
„Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,“ der Gekreuzigte. (Sehnsucht nach Leben, S. 149.).

Er ruft uns auf, trotz der Ohnmachtsgefühle aktiv zu werden, aufzustehen, wo nötig gegen Unrecht und Haß Widerstand zu leisten und Liebe zu üben gegenüber jedermann und jederfrau. Im Einsatz für Frieden und Freiheit. Für Mensch und Natur.
Koste es, was es wolle.

Möge das auch in unserem Alltag spürbar werden und mag doch die Welt von uns, die wir Jesus folgen, Gutes profitieren können.

Amen.

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Von Christus verändert?

Kennen Sie dieses Zitat?. Martin Luther hat geschrieben:
„Einem Gläubigen ist nichts schädlicher, als dass er meint, er habe es schon ergriffen, und es sei daher nicht nötig, es erst zu suchen, denn von daher kommt es, dass viele zurückfallen, und vor Sicherheit und Faulheit verwelken und lasch werden.
Deswegen, wer angefangen hat, ein Christ zu sein, der ist schuldig, auch noch dieses zu tun, dass er gedenken, er sei noch kein Christ, sondern er suche es noch dahin zu bringen, dass er ein Christ werde.
Dieses Leben ist nicht eine Frömmigkeit, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Wesen, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung.
Wir sind’s noch nicht; wir werden’s aber.
Es ist noch nicht getan, es ist aber in Gange und Schwange.
Es ist nicht das Ende; es ist aber der Weg.
Ein Christ ist im Werden, nicht im Worden-sein.

Denn wir strecken uns nach dem Himmel, sind aber noch nicht im Himmel.
Und wie der nimmermehr in den Himmel kommen wird, der sich einbildet, er sei schon im Himmel, so ist der bereits im Himmel, der sich nach dem Himmel streckt und hineinzukommen sucht. So wunderbar sind Gottes Werke.“

Die ersten Christen werden in der Apostelgeschichte als „Der neue Weg“ dargestellt. Ihr Zeichen war nicht das Kreuz, sondern der Fisch, das Brot oder der Kelch oder das Zelt Abrahams. Zeichen des Weges. Zeichen der Reise und Verpflegung. Der wechselnden Unterkunft. Immer unterwegs. Immer im Wandel. Immer in der Veränderung. Denn Christus verändert.

„Gottes Geist weht, wo er will“, so sagt es Jesus im Johannesevangelium. Er ist wie der Wind. Du hörst ihn, spürst ihn, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht.

„Semper reformanda“ – hat darum wieder Martin Luther als Arbeitsauftrag seiner Kirche ins Stammbuch geschrieben. Reformiert euch beständig. Immer. Das einzig stetige ist der Wandel. Nein, das einzige Beständige ist Gott, an ihm hängt und geht in die Welt und durch die Zeit.

Wir sehnen uns ja heute mehr nach Beständigkeit, weil alles im Wandel ist.
Die ersten Christen und mit ihnen Luther sahen das noch anders.

Sie wussten: wir hängen an Gott. Unsere Zeit steht in seinen Händen. Darum kann kommen, was will, wir sind bereit. Darum kann geschehen, was will, wir gehen mit. Darum kann passieren, was will, passen uns an. So wie Jesus war und ist und bleiben wird.

Im Bibeltext für heute stellt uns Petrus den Christus als Vorbild hin.
„Dazu seid ihr berufen, da auch Christus gelitten hat für euch und euch ein Vorbild gelassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen.“

Nachfolge. Fußstapfen. Wieder ein Bild des Weges. Ein Wanderbild. Christen sind Pilger. Wandersleute. Jünger wird man unterwegs.
Wir sollen nicht sein. Sondern werden. Nicht wie Jesus sein. Sondern ihm nachfolgen.
Nicht einen Zustand erreichen. Sondern in Bewegung bleiben.

Aber das ist schwer. Das ist hart.
Doch Jesus sagt: „Die Füchse haben ihren Bau und die Vögel ihr Nest; aber der Menschensohn hat keinen Platz, wo er sich hinlegen und ausruhen kann.“
Und als ihn einer bat: „Herr, erlaube mir, dass ich erst noch hingehe und meinen Vater begrabe.“ Da sagte Jesus zu ihm: »Komm, folge mir! Überlass es den Toten, ihre Toten zu begraben!“ (Mt 8,20-22)
Nichts soll uns aufhalten, wenn wir Jesus hinterhergehen. Ihn im Auge hält uns nichts auf und nichts ab.
Und Jesus sagt: „Wer mir folgen will, muss sich und seine Wünsche aufgeben, sein Kreuz auf sich nehmen und auf meinem Weg hinter mir hergehen. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren. Aber wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ (Mt 16,24-25)
Und: „Liebt Eure Feinde und bittet für die, die euch verfolgen.“ (Mt 5,44)
Und: „Verzichtet auf Gegenwehr, wenn euch jemand Böses tut! Mehr noch: Wenn dich jemand auf die rechte Backe schlägt, dann halte auch die linke hin. Wenn jemand mit dir um dein Hemd prozessieren will, dann gib ihm den Mantel dazu. Und wenn jemand dich zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann geh mit ihm zwei. Wenn jemand dich um etwas bittet, gib es ihm; wenn jemand etwas von dir borgen möchte, sag nicht nein.“ (Mt 5,38-42)

Sind wir bereit dazu? Sieht so unser Weg des Glaubens aus?
Das ist das Vorbild Christi. Daran sollten wir uns orientieren.
Ihr wisst: »Er hat kein Unrecht getan; nie ist ein unwahres Wort aus seinem Mund gekommen.« 23 Wenn er beleidigt wurde, gab er es nicht zurück. Wenn er leiden musste, drohte er nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen. 24 Unsere Sünden hat er ans Kreuz hinaufgetragen, mit seinem eigenen Leib. Damit sind wir für die Sünden tot und können nun für das Gute leben. Durch seine Wunden seid ihr geheilt worden! (1. Petr 2,22-24)

Also, worauf warten wir noch? Was hält uns? Was hält uns fest?
Oder sieht unser Weg eher so aus, dass wir versuchen, unsere eigene Meinung durchzubringen? Meistens haben wir doch schon Probleme damit, kleinste theologische Unterschiede zu akzeptieren und auszuhalten in versöhnter Verschiedenheit. Und oft genug sind sogenannte biblische Werte nur eine Ausrede für unseren eigenen Willen. Ein Alibi für unsere Werte und Vorstellungen. Weil man das, was man selbst denkt für das Non-plus-ultra hält? Weil man sich nur schwer in die Gedanken des anderen hineinversetzen kann?
Weil wir lieber urteilen und beurteilen und verurteilen, statt auf die Menschen zuzugehen und zu fragen: „Was willst du, dass ich tun soll?“ So, wie Jesus.

Jesus war von sanft und von Herzen demütig. Er hat gelitten. Er ist immer den unteren Weg gegangen. Hat eingesteckt, nicht ausgeteilt. Er wurde geschlagen. Er wurde gehasst. Aber er „drohte nicht mit Vergeltung, sondern überließ es Gott, ihm zum Recht zu verhelfen.“

Schaffen wir das auch? Auch wenn wir Nachteile in Kauf nehmen sollten? Ansehen, selbst in der christlichen Gemeinde? „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“. Und Gott ist Liebe. Lieben wir, wie er?
Verglichen mit Jesus und den ersten Christen ist das, was wir an negativen Reaktionen erleben, nicht der Rede wert. Was hindert uns also?
Sind wir bereit zu einer Hingabe wie Jesus sie vorgemacht hat? Zu dieser Geduld, zu diesem Sanftmut? Zu dieser bedingungslosen Liebe gegenüber jedermann? Besonders den Sündern? Oder ziehen wir doch lieber Grenzen und verwechseln das mit Profil?
Viele Christen wissen wogegen sie sind. Aber wofür sind wir eigentlich? Positiv ausgedrückt!

Sind wir bereit zur Hingabe, die beständig fragt: Was würde Jesus tun? Hier, in dieser Situation? Hier bei diesem Menschen?

Aber weil er geschlagen wurde, müssen wir nicht verzweifeln. Weil er litt, darum müssen wir uns nicht aufgeben. Weil er uns in allem vorausging, darum dürfen wir mutig den Weg gehen, ihm hinterher. Das ist das Leben. Aus seiner Liebe zu uns können auch wir Liebe schöpfen für alle Menschen um uns herum.
Das ist Nachfolge. In den Fußspuren seiner Gnade gehen und ebenfalls Gnade hinterlassen.

3 Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich.
4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden.
5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen.
6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.
8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen.
9 Selig sind die Friedfertigen;1 denn sie werden Gottes Kinder heißen.
10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind. (Mt 5)

Selig seid Ihr, wenn Ihr segnet, die euch, die Euch verfolgen. Selig seid Ihr, wenn Ihr Eure Feinde liebt. Selig seid Ihr, wenn Ihr die Sünder ruft (Mt 9,13).

Denn ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen.
Ich bin nackt gewesen und ihr habt mich gekleidet. Ich bin krank gewesen und ihr habt mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen und ihr seid zu mir gekommen.
Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Mt 25,35-40)

Jesus will verändern. Uns und mit uns diese ganze Welt.
Darum will Jesus die Christen bekehren. Darum ruft er uns zu: Zieht euch nicht auf einen Ist-Zustand zurück. Auf die Insel der Frommen und Gleichgesinnten und zeigt nicht mit dem Finger auf die Welt. Mischt Euch unter sie, wie ich mich unter sie gemischt habe. Bleibt in Bewegung.

„Den Weg zum Nachbarn … zu finden, das ist menschlicher und christlicher, als sich darüber zu ereifern, dass die Kirchen leer sind.“, sagte einmal der Theologe Ernst Lange.

Manchmal habe ich das Gefühl, Christen steigen heute gerne auf Wachtürme, beobachten die Menschen, das Land und die Trends aus der Distanz und zeigen auf Missstände, oder das, was sie dafür halten. Und dann sind sie ganz stolz und fühlen sich ganz fromm und rechtschaffen und gottgefällig und halten ihre Wachtürme für gute Leuchttürme.

Doch das ist ein Irrtum. Leuchttürme stehen immer an den gefährlichen Stellen im Wasser oder an der Küste und mit ihrem Licht stoßen sie tief in die Finsternis vor und machen das Dunkel heller. Leuchttürme kommen in direkten Kontakt mit der Brandung. Sie stehen nicht abseits und schauen nicht aus der Ferne. Ihr Licht begleitet die Schiffe durch das Wasser.

Warum die Distanz? Wovor haben wir Angst? Warum diese Scheu? Wir haben doch gar nichts zu befürchten.
Die ersten Christen litten und liebten trotzdem. Die ersten Christen wurden geschlagen und vergaben dem Schläger. Die ersten Christen starben und sangen dabei Loblieder. Die ersten Christen öffneten sich, und wurden zahlenmäßig mehr. Sie machten keine Unterschiede zwischen den Menschen und ernteten Respekt. Sie liebten wie Jesus, in seinen Fußstapfen.

Wo ist unser Wille, Jesus nachzufolgen und wenn es nötig ist, auch mit ihm zu leiden?
Wo ist unsere Geduld mit den Menschen und den Strömungen dieser Zeit?
Wo ist unsere Liebe, die geduldig ist „und gütig. Die Liebe eifert nicht für den eigenen Standpunkt, sie prahlt nicht und spielt sich nicht auf. Die Liebe nimmt sich keine Freiheiten heraus, sie sucht nicht den eigenen Vorteil. Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen und trägt das Böse nicht nach. Sie ist nicht schadenfroh, wenn anderen Unrecht geschieht, sondern freut sich mit, wenn jemand das Rechte tut. Die Liebe gibt nie jemand auf, in jeder Lage vertraut und hofft sie für andere; alles erträgt sie mit großer Geduld.“ (1. Kor 13,4-7)

Entschuldigung: Ich fürchte, wir sind noch nicht genug verändert worden von ihm.

Aber das muss nicht so bleiben.

„Wir sind’s noch nicht; wir werden’s aber.
Es ist noch nicht getan, es ist aber in Gange und Schwange.
Es ist nicht das Ende; es ist aber der Weg.
Ein Christ ist im Werden, nicht im Worden-sein.“

Machen wir uns also auf den Weg. Jesus hinterher. In seinen Fußstapfen. Auf seinen Pfaden.
Begeistert von ihm. Berührt von ihm. Ergriffen von ihm. Frei wie er, weil von Liebe erfüllt wie er. So hängen wir an Gott, unserem Vater und gehen durch die Zeit.
Jesus Christus verwandelt immer noch. Sein Geist weht wo er will und verändert, wer bereit ist, sich verändern zu lassen. Weil Jesus uns liebt und nicht aufgibt. Niemals.

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Was interessiert?

“Drei Dinge möchte ich heute gerne sagen. Erstens: Während Sie heute Nacht geschlafen haben, sind 30.000 Kinder verhungert oder an den Folgen von Unterernährung gestorben. Zweitens: Die meisten von Ihnen interessiert das einen Scheißdreck. Und das Schlimmste ist drittens, dass Sie sich mehr daran stören, dass ich ‘Scheißdreck’ gesagt habe, als daran, dass heute Nacht 30.000 Kinder gestorben sind.” –
Tony Campolo: Soziologie-Professor und Autor

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Schwäche ist unsere Stärke

Die Apostel sagten zum Herrn: »Stärke doch unser Vertrauen zu Gott!«
Der Herr antwortete: »Wenn euer Vertrauen auch nur so groß wäre wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu dem Maulbeerbaum dort sagen: ›Zieh deine Wurzeln aus der Erde und verpflanze dich ins Meer!‹, und er würde euch gehorchen.« (Lk 17,5-6)

Mit dem Vertrauen ist das ja so eine Sache. Wem können wir wirklich vertrauen? Wer hat es voll und ganz verdient? Und gibt es das: ein bischen Vertrauen? Ist es nicht immer voll und ganz oder gar nicht? Aber was macht Jesus hier? “Vertrauen so groß wie ein Senfkorn”? Was ist das für ein Vertrauen? Ein Senfkorn war zur Zeiten von Jesus so groß wie ein Staubkorn. Also fast gar nicht da, nahezu unsichtbar. Redet Jesus hier von so kleinem Glauben? Und sagt er, dieser Glaube reiche aus? Ist das nicht zu wenig?

Oder ist es eine Rechtfertigung von Faulheit oder Bequemlichkeit? Ein Lob der Mittelmäßigkeit? Direkt von Jesus?
Nein, wer mehr hat und möchte, kann gerne mehr geben. Aber es ist ein Bekenntnis Gottes zu allen, die den hohen Erwartungen der Gesellschaft nicht standhalten können oder wollen. Es ist ein „Ja“ Gottes zu allen, die auf das neue Jahr mit Angst und Sorge blicken, die manches nicht erreichen werden. Es ist Gottes Bekenntnis zum Kleinen, Unscheinbaren, Zerbrechlichen, Zarten.
In der Jahreslosung für 2012 sagt Jesus zum Apostel Paulus:
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ (2. Kor 12,9)

Was wäre, wenn wir immer vor Kraft strotzen würden? Und stellen Sie sich vor, wir hätten immer die Hände voll mit dem, was wir zu tun haben?
Wie soll Gott sie dann noch füllen können, mit dem, was er zu geben hat?
Haben wir Mut, zu unseren Schwächen zu stehen. Wer schwach ist, den kann Gott stark machen. Ja, unsere Schwäche ist unsere Stärke als Christen. Sie macht uns liebevoll und demütig, ohne zu erniedrigen. Sie entlastet, ohne ohnmächtig zu machen. Sie lässt uns den Nächsten sehen, ohne selbst übersehen zu werden. Sie gibt Gott Raum und Gelegenheit in unserem Leben, ohne den Menschen zu verdrängen. Ja, sie macht gerade so uns Menschen groß, ermutigt und schenkt Hoffnung.
Für mich ist die Jahreslosung tatsächlich ein Schlüsselvers in der Nachfolge als Christ.
Nicht nur, weil es die Schwachen in den Blick nimmt, sondern weil es genau deswegen für Nächstenliebe und Demokratie sorgt. Für eine Begegnung zwischen Menschen auf gleicher Augenhöhe. Es gilt nicht das Recht des Stärkeren, sondern das Recht der Liebe und des Respekts gegenüber allen.
Und es ist ein Schlüsselvers, weil es uns selbst fröhlich und heiter in das Vertrauen auf Gott ruft.
Es nimmt alles „Du musst“ und „Du sollst“ aus dem Glauben raus und macht selbst kleinste Regungen unserer Seele groß.

Jesus spricht seinen Jünger das Vertrauen zu, von dem sie nicht wussten, dass sie es längst hatten.

Wenn du denkst, du kannst nicht beten, ist genau dieser Gedanke schon Gebet genug.
Wenn du denkst, du kannst nicht glauben, ist genau diese Sehnsucht schon Glaube genug.
Wenn du denkst, du kannst nicht so fest nachfolgen, ist genau dieser zitternde Gang und dieser zaghafter Schritt genug in Gottes Augen.
Unsere Schwäche ist unsere Stärke. Und unser Auftrag für eine friedlichere, fröhlichere, menschlichere, gesündere Welt.

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Wichtig ist: aufzubrechen

Predigt zu 2. Mose 13,20-22

2011 schließt die Pforten und wir blicken zurück. Oder schauen wir nach Vorne?
Ich kann mich gar nicht so richtig entscheiden.

Das 2011 ist doch gerade erst angefangen. Ich spüre es noch in mir. Nicht jeden Tag. Aber so manchen Höhepunkt.
Ich erinnere mich noch an einige Besuche und Treffen mit Menschen aus unserer Gemeinde. Von Durststrecken und Krankheiten habe ich erfahren, von Stress auf der Arbeit und Zittern um die Ernte. Aber auch von Glücksmomenten, wie Goldenen Hochzeiten und der Geburt des Kindes.
Das ist noch alles ganz frisch bei mir. Und nun soll heute damit Schluss sein?
Wie sieht ihr Jahresrückblick 2011 aus?
Im Fernsehen werden wir ja schon seit Wochen damit unterhalten. „Menschen 2011“ und wie sie alle heißen. Wir durften uns wieder erinnern an das Jahr 2011 in dieser Welt. Wir mussten uns wieder erinnern. Auch an die schweren Dinge. Wir haben wieder sehen und hören, lesen und zuschauen, wie in Japan nach einem schweren Erdbeben das Kernkraftwerk explodierte, wie Bin Laden getötet wurde, wie in Norwegen auf einer Insel ein Massaker an Jugendlichen geschah, wir werden wieder erinnert wie König Carl-Gustav und Königin Silvia aus Schweden zu Besuch in Deutschland waren, ebenso der Papst, wir werden noch einmal zurückblicken, wie die Wirtschaftskrise über unser Europa geweht kam, und wie der Basketballspieler Dirk Nowitzki als erster Deutscher in der Amerikanischen Profiliga Meister wurde. Wir werden an die Flut in Thailand erinnert und das Hape Kerkeling doch nicht „Wetten dass??“ moderiert. Wir denken noch mal an den Bundespräsidenten und die Spekulationen um seinen Kredit und einen Rücktritt. Wir sehen Guttenberg vor uns. Diktatoren wurden gestürzt und hoffnungsvolle Aufbrüche in Nordafrika und im Nahen Osten gewagt. Aber in Nordkorea bleibt wohl alles beim Alten.
Wir haben Abschied genommen von Loriot und Jopie, Steve Jobs und Vaclav Havel.
Leichtes und schweres, fröhliches und trauriges hat sich wieder abgewechselt.
Da haben viele von uns dann vor dem Fernseher gesessen und ehrlich, ernsthaft ihre tief empfundenen Tränen vergossen, als die Erinnerungen daran wieder wach wurden, die vielen Tote, die Bilder der Katastrophen zurück kamen. Und trotzdem haben wir auch wieder mit den Komikern und Spaßvögeln lachen und fröhlich sein, ebenso ehrlich und tief empfunden.

Beides gehört nicht nur zu unserer Welt, sondern zu unserem Leben dazu.
Ich weiß nicht, wie Ihr Jahr 2011 ist und war. Aber wir alle haben leichtes und schweres, gutes und schlechtes erlebt. So ist das einfach, oder?
Das, was gewesen ist, es darf uns nur nicht die Sinne vernebeln, sondern sich einrütteln zu einem sinnvollen Ganzen, zu einem sinnvollen Leben. Es darf ein Schatz der Erinnerung werden, der nicht belastet, sondern reich macht. In aller Schwere, Tiefe und tiefen Bedeutung, die das erlebte für uns und unsere Familien hat.
Und wir dürfen bei all diesen Erinnerungen und Rückblicken eines hören:

So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste.
Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.
(2. Ms 13,20-22)

Ich frage mich, wie wohl der Jahresrückblick der Israeliten ausgefallen wäre, hätten sie damals beim Auszug Silvester gefeiert. Vor 3500 Jahren hätte vielleicht Thomas Gottschalk im Fernsehen zurückgeblickt und den Auszug als Sieg der Freiheit gefeiert. Zeitzeugen wären zu Wort gekommen. Sie hätten von den Wundern auf dem Weg berichtet. Wie sich das Wasser des roten Meeres teilte und das Volk Israel vor den Verfolgern rettete. Wie Wasser in der Wüste plötzlich aus Steinen hervorsprudelte und Manna vom Himmel fiel. Die Zeitzeugen hätten auch von den Problemen berichtet. Schon allein, weil Thomas Gottschalk danach gefragt hätte: Aber es war doch nicht alles nur einfach auf dem Weg ins gelobte Land, oder?

Nein, hätten die Zeitzeugen gesagt. Es gab auch echt schwere Momente. Manche im Volk hätten sich sogar wieder nach Ägypten zurückgewünscht. Da war man zwar nicht frei, hatte aber dafür jeden Tag was auf dem Teller. Viele, viele Male hätten sie gezweifelt. An Mose, dem Leiter dieses Auszugs. An seine Mitarbeiter und Helfer. An Gott genauso.

Und dann hätte Thomas Gottschalk im Jahresrückblick vor 3500 Jahren gefragt: Sagen Sie mal, woran erinnern Sie sich denn besonders gern?

Und der Zeitzeuge hätte vielleicht, ganz sicher, ernst aber doch gelöst von einem Wunder erzählt: Wissen Sie, jeden Tag erlebten wir Gott. In der Nacht als Feuersäule. Am Tage als Wolkensäule. Wir wussten, wir sind nicht allein. Die ganze Zeit wussten wir das. Immer jeden Tag.

Wenn wir nun zwischen den Zeiten stehen und von 2011 nach 2012 hinüberwechseln.
Dann gilt dieselbe Zusage: Gott ist bei uns.
Ich weiß selbst, wir sehen ihn nicht in einer Wolken- oder Feuersäule.
Aber wir sehen das Kreuz. Hier in der Kirche ist es nicht zu übersehen.
Auf den Kirchtürmen in unserem Land. Wir sehen es als Anhänger an einer Kette. Wir sehen es als Pluszeichen auf den Tastaturen der Computer und Taschenrechner.
Das Kreuz rechnet uns Menschen mit Gott zusammen. Gott will nicht ohne uns sein. Und wir sollen nicht ohne ihn sein.

Auch im neuen Jahr gilt: Ich gehe dir voran. Ich bin bei dir.
„Sei getrost und unverzagt. Lass dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der HERR, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst.“ (Jos 1,9)

Mit diesen Worten wurde Josua als Nachfolger von Mose auf die Reise geschickt. Mit diesen Worten begleitet und segnet Gott uns immer noch, wenn wir auf die Reise ins neue Jahr geschickt werden. Nicht in Watte gepackt, aber nie allein, immer begleitet. Und darum mutig voran.
„Barmherzig und gnädig ist der Herr.“ (Psalm 103)

Wir sind manchmal unsicher. Aber es spricht viel dafür, dass Gott da ist und dass wir Gott vertrauen können. Viele Menschen über Jahrtausende haben Gott vertraut, und ihnen wurde geholfen.
Schauen wir also nicht nur zurück, sondern auch nach Vorne.
„Nur ein ist jetzt wichtig: aufzubrechen“, sagte einmal Samuel Beckett.

Wir können mit Zuversicht in das neue Jahr gehen, denn Gott geht mit. Auch wenn wir vielleicht privat und ganz sicher politisch und wirtschaftlich vor großen Problemen und Herausforderungen stehen. Und wir nicht so klar entscheiden können, ob das Glas nun halb voll oder halb leer ist.
Wir sind nicht alleine. Wir sind mit vielen anderen zusammen unterwegs in unserem Leben, mit unseren Familien, mit den Menschen hier in der Gemeinde, mit Freunden und Nachbarn, denen wir helfen und die uns helfen. Und Gott ist da. Vielleicht nicht immer so sichtbar wie damals bei den Israeliten. Aber im guten Wort eines anderen Menschen, in den Liedern der Chöre, in den Gebeten zu Hause und hier in der Kirche. In fröhlichen und berührenden Gottesdiensten, in seinem Wort, der Bibel, in mancher Umarmung und dem festen Händedruck. Im Schweigen des Mitleids und dem geduldigen Warten der Lieben um uns und auf uns. Wir dürfen wissen, dass Gott da ist. Man darf es uns zusprechen und wir anderen. In Gesten, Taten und Worten. Hoffentlich macht uns dieser Zuspruch kreativ und fröhlich, unbefangen und frei, Wege zu gehen und Lösungen für Probleme zu finden. Privat und in der großen, weiten Welt.
Und wir wissen auch, dass Gott da sein wird, wenn eines Tages die Zeit gekommen ist, diese Welt zu verlassen und dorthin zu gehen, wo es keinen Schmerz und kein Leid mehr gibt und wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen werden. Ja, dann werden wir ganz sicher wissen, dass Gott da ist. Bis dahin laufen wir keinen Idealen nach. Aber gehen doch getrost und unverzagt unseren eigenen Weg. Wir haben 2011 Lichtspuren und Rauchzeichen Gottes erlebt. Wir werden es auch im nächsten Jahr 2012.
Amen.

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Es beginnt alles mit einem Kind

Predigt zur Christvesper 2011 zu Jesaja 9,1-6

Nun sitzen wir hier. Es ist alles geschafft. Es ist alles fertig. Weihnachten ist da.
Die letzten Klassenarbeiten wurden noch geschrieben. So manche Grippe schon besiegt. Der Stress der Arbeit darf sich lösen. Die Arbeit zu Hause wird gemeinsam erledigt.
Es ist Weihnachten. Endlich! Zeit zum Ausspannen. Zeit um Abstand zu gewinnen. Zeit für sich und andere. Die Familie wartet. Die Kinder oder Enkel. Freunde oder Nachbarn. Und wir dürfen einfach da sein. Ganz bei uns. Ganz bei unseren Lieben. Weihnachten zählt nur der Augenblick. Da darf unwichtig werden, was gestern war und morgen sein wird.

Der Schüler fragt den Meister nach dem Geheimnis seines Lebens. Der Meister antwortet: Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich. Und wenn ich ankomme, dann komme ich an. Der Schüler ist irritiert und sagt: Aber Meister, das verstehe ich nicht. Ich tue doch das Gleiche wie du. Doch der Meister antwortet: Nein. Wenn du sitzt, dann stehst du schon. Wenn du stehst, dann gehst du schon. Und wenn du gehst, dann bist du schon am Ziel.

Häufig genug sind wir ja im Alltag wie kleine Flöhe. Unruhig hüpfen wir von einem Termin zum nächsten. Von einer Aufmerksamkeit zur anderen. Sind wir irgendwo angekommen, dann denken wir schon ans nächste.

Weihnachten dürfen wir ankommen, müssen nicht so schnell wieder weg. Weihnachten heißt: Ich bin da. Und ich bleibe hier. Ich schaue hin und nehme wahr.

Man muss schließlich mal ausspannen. Man muss sich mal sammeln. Man darf mal verträumt in die Flammen der Kerzen blicken und in sich gehen. Man darf zusammen rücken und nach dem anderen fragen.
Weihnachten passiert, auch wenn wir selbst gar nicht viel tun.

1 Das Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht; für alle, die im Land der Finsternis wohnen, leuchtet ein Licht auf.
2 Herr, du vermehrst sie und schenkst ihnen große Freude. Sie freuen sich vor dir wie bei der Ernte und wie beim Verteilen der Kriegsbeute.
3 Wie damals, als du das Volk von den Midianitern befreit hast, zerbrichst du das Joch der Fremdherrschaft, das auf ihnen lastet, und den Stock, mit dem sie zur Zwangsarbeit angetrieben werden.
4 Die Soldatenstiefel, deren dröhnenden Marschtritt sie noch im Ohr haben, und die blutbefleckten Soldatenmäntel werden ins Feuer geworfen und verbrannt.
5 Denn ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt! Und das sind die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst.
6 Seine Macht wird weit reichen und dauerhafter Frieden wird einkehren. Er wird auf dem Thron Davids regieren und seine Herrschaft wird für immer Bestand haben, weil er sich an die Rechtsordnungen Gottes hält. Der Herr, der Herrscher der Welt, hat es so beschlossen und wird es tun.

Ob es Sie in ihrem Leben dunkel ist, wissen nur Sie selbst.
Aber mehr Licht kann bestimmt nicht schaden.
Goethe hat gerufen: „Mehr Licht!“ Aber da lag er schon im Sterben auf dem Totenbett.
Wir alle kennen Situationen, wo alles wie vernagelt erscheint und kein Licht mehr durchdringt. Wo wir wie mit einem Brett vor dem Kopf den Weg nicht sehen. Wo wir tappen und tasten und doch keine Orientierung finden. Wo wir laufen und zerren, aber doch nicht vom Fleck kommen. Wie ein Auto mit laufendem Motor, das Gaspedal durchgedrückt, aber mit angezogener Handbremse trotzdem im Stillstand.

„Das Volk, dass im Dunkeln lebt, sieht ein großes Licht.“

Es beginnt alles mit einem Kind. So ist es schon immer gewesen. Es begann immer alles mit einem Kind. Und die Fragen und Diskussionen ob zuerst die Mama und dann das Kind da war. Ob sprichwörtlich zuerst das Ei oder das Huhn existierte, sie wollen nur ablenken.
Neues beginnt mit einem Kind.
Wenn es zur Welt kommt, schreit es, es schläft, es strampelt, es trinkt, es macht in die Windeln, es niest, es lächelt.
Doch wir sehen noch mehr. Eltern sehen allemal noch mehr.
Wir sehen eine neue Welt. Eine neue Chance. Wir sehen alles Gute gebündelt in diesem Bündel Mensch.
Das Kind, es hat alles noch vor sich. So sagen es die Älteren. Ein wenig wehmütig. Ein wenig bewundernd. Manchmal auch neidisch. Es ist wie ein frisch geschöpftes, leeres Blatt Papier. Blank und feucht liegt es vor uns. Es ist alles dran, so sagen es die Nachbarn und sind ebenso fasziniert. Es hat mich angelächelt, rufen begeistert die Geschwister. Es hat in die Hose gemacht. Wir haben es gehört! So jubeln die Eltern.

Das Leben. Die Zukunft. Es beginnt alles mit einem Kind.
„Siehe, ich mache alles neu.“ Sagt Gott (Offb 21,5).
Und er kommt als Kind in der Krippe zur Welt. Ein Kind, wie Milliarden andere. Ein Mensch wie du und ich. Ein neues Buch wird aufgeschlagen. Ein neuer Bund geschlossen. Die Hände geöffnet, streckt es dir die Arme entgegen.
Bereit, alles aufzunehmen, was ihm zwischen die Finger kommt. Medizinisch spricht man vom Greifreflex, wenn das Kind alles fest umklammert.
Für mich ist es die Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Leben und Liebe und Zukunft.

Als der Täufer Johannes im Gefängnis von den Taten hörte, die Jesus getan hatte, schickte er seine Schüler zu ihm. „Bist du wirklich der, der kommen soll“, ließ er fragen, „oder müssen wir auf einen anderen warten?“ Jesus antwortete ihnen: „Geht zu Johannes und berichtet ihm, was ihr hört und seht: Blinde sehen, Gelähmte gehen, Aussätzige werden gesund, Taube hören, Tote stehen auf und den Armen wird die Gute Nachricht verkündet. Freuen darf sich, wer nicht an mir irre wird!“ (nach Mt 11,2-6)

Als das Kind erwachsen wurde und die Menschen ihn hörten und erlebten, da verstanden sie, warum die Hirten damals am Stall so ergriffen und die Heiligen Könige so erstaunt gewesen waren. Da begriffen sie, dass das Kind in der Krippe nicht für sich selbst klammerte und der Greifreflex nicht Selbstsucht, sondern Geschenk war.
Das Kind tat es für dich. Mit ihm begann alles neu. Und sein Neuanfang will auch deiner sein. Sein Start ins Leben ist auch für dich. Seine Zukunft gehört dir. Die Geborgenheit ist deine.
Weihnachten passiert, auch wenn wir selbst gar nicht viel tun.
Weil das Kind in der Krippe längst alles in seinen Händen hält.

Ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt!
Mitten in der Nacht, in der Dunkelheit des Stalls von Bethlehem, beginnt Gott noch einmal einen neuen Weg mit uns Menschen. Gott wird sichtbar in einem Kind und bekommt einen Namen: Jesus, d. h. Gott rettet. Er lebt mitten unter uns. Ansprechbar. Fühlbar. Am eigenen Leibe erfährt er Möglichkeiten und die Grenzen unserer Welt. Er lacht und weint. Er triumphiert und leidet. Er heilt. Er hört zu. Er macht Menschen glücklich. Er ist der Weg zum Leben. Er schenkt allen einen Neubeginn und zählt nicht nach, was gestern gewesen ist oder in den Jahren zuvor.
Neues Leben – es beginnt alles mit diesem Kind.
So viel Liebe ging von ihm aus, dass Menschen in seiner Nähe anders wurden. Mutig, getröstet, gestärkt. Gottes Liebe. Gottes Licht. Mitten im Dunkel unserer Welt. Und dieses Kind ging ganz hinein. Es hatte keine Angst vor der Dunkelheit. Dieses Kind hat sie durchschritten und erleuchtet. Selbst von seinem Tod am Kreuz strömen noch Glaube, Liebe, Hoffnung zu uns zurück. Zuversicht für alle.

Darum sind das die Ehrennamen, die ihm gegeben werden: umsichtiger Herrscher, mächtiger Held, ewiger Vater, Friedensfürst.

Hoffnung – es beginnt alles mit diesem Kind.
Hoffnung auf Frieden, da wo Krieg ist. Recht und Gerechtigkeit, da wo das Unrecht herrscht. Nahrung und Wasser, da wo der Hunger quält. Freiheit da, wo Menschen unterdrückt und bedrückt werden. Möglichkeiten da, wo man nur Sackgassen sieht. Umsicht und Gelassenheit in der Lösung Krisen und Probleme. Gute Aussichten für alle, die von Krankheit und Tod bedrängt sind.
Paare, die neu zueinander finden. Menschen, die ihren Streit begraben. Kinder und Eltern reden wieder miteinander. Junge Menschen sehen eine Zukunft für ihr Leben. Und einsame Menschen merken, dass sie nicht alleine sind.
Die ganze Welt fängt an zu jubeln.

Denn es beginnt alles mit diesem Kind.

„Ein Kind ist geboren, der künftige König ist uns geschenkt!“, und alle Hoffnungen, alle Träume, jede Sehnsucht, die wir in uns tragen, dürfen neu aufleuchten in dieser Heiligen Nacht.

Denn nun sind wir hier. Weihnachten ist da.

Amen.

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Frohe Weihnachten


Fast Tube by Casper

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Weihnachten kommt ohne Druck

Predigt im “Irgendwie-anders”-Gottesdienst am 3. Advent 2011.

Ich freue mich schon. Sie sich auch? Weihnachten ist doch wirklich eins der schönsten Feste. Und die Woche zwischen den Jahren ist immer eine besondere Woche.
Kennen Sie die Media Markt-Werbung? „Weihnachten wird unterm Baum entschieden.“
Viele regen sich über diese Werbung auf. Vor allem in manchen Kirchen landauf, landab.
Und dann heißt es als Alternative plötzlich: Alles falsch Media Markt – Weihnachten wird in der Krippe entschieden.

Auch nicht besser, ehrlich gesagt. Finde ich.
Ganz egal, wo Weihnachten entschieden. Ob unterm Baum oder in der Krippe oder im Backofen oder auf der Autobahn oder im Zug oder unter Palmen.
Das Problem ist nicht die Werbung. Im Gegenteil, die trifft genau den Kern. Das eigentliche Problem ist, wenn wir so denken, dass Weihnachten irgendwo entschieden wird, dass wir meinen (oder es uns gesagt wird), wir hätten die Macht, Weihnachten zu entscheiden.
Ob Media Markt oder Kirche. Sie beide üben Druck aus. Auf uns.
Denn es liegt an Dir, lieber Kunde und lieber Kirchgänger, ob es Weihnachten wird in deinem Haus. Es liegt an der Menge und Qualität und dem Preis der Geschenke, sagt der Media Markt. Es liegt an deiner richtigen Einstellung, sagen manche Kirchenvertreter.

Ich will diesen Druck nicht. Weder von Mediamarkt noch von der Kirche.
Druck habe ich nämlich schon genug. Ich will nicht noch was obendrauf. Mein Kalender ist voll genug. Vieles muss vorbereitet werden. Vieles ist zu planen und zu organisieren. Die Erwartung sind hoch, auch meine eigenen. Ich mag nicht noch hören, was ich zusätzlich zu tun oder zu denken habe.

Für mich persönlich ist entscheidend, was Jesus gesagt hat. Und da lese ich: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“ (Joh 15,16)
Und Gott sagt (5. Mose 7,6-8): „Der Herr, euer Gott, hat euch unter allen Völkern der Erde ausgewählt und zu seinem Eigentum gemacht. Das tat er nicht etwa, weil ihr größer seid als die anderen Völker – ihr seid vielmehr das kleinste unter ihnen! Nein, er tat es einzig deshalb, weil er euch liebte und das Versprechen halten wollte, das er euren Vorfahren gegeben hatte.“

Weihnachten wird nirgendwo entschieden. Zumindest nicht von mir. Weder unterm Baum noch in der Krippe oder an sonst einem Ort. Weihnachten ist bereits entschieden.
Gott hat sich bereits für uns entschieden. Einfach so. Aus Liebe.

Und weil es nicht an uns liegt und wir es nicht herstellen können, darum haben wir diesen Gottesdienst „Licht aus!“ genannt. Heute ist Gelegenheit mal abzuschalten. Wenigstens eine Stunde lang. Mal zur Ruhe kommen. Wenigstens für einen kurzen Moment.
Mal nicht dran denken, welche Schlacht noch zu schlagen ist.

Tu kam zu Me-ti und sagte: “Ich will kämpfen. Lehre mich.” Me-ti sagte: “Setz dich.” Tu setzte sich und fragte: “Wie soll ich kämpfen?” Me-ti lachte und sagte: “Sitzt du gut?” “Ich weiss nicht”, sagte Tu erstaunt, “wie soll ich anders sitzen? Ich bin nicht gekommen, sitzen zu lernen.” “Ich weiß, du willst kämpfen lernen”, sagte Me-ti geduldig, “aber dazu musst du gut sitzen, da wir jetzt eben sitzen und sitzend lernen wollen.” Tu sagte: “Wenn man immer danach strebt, die bequemste Lage einzunehmen und aus dem Bestehenden das Beste herauszuholen, kurz, wenn man nach Genuss strebt, wie soll man da kämpfen?” Me-ti sagte: “Wenn man nicht nach Genuss strebt, nicht das Beste aus dem Bestehenden herausholen will und nicht die beste Lage einnehmen will, warum sollte man da kämpfen?” (nach Bert Brecht)

Mal nicht planen und organisieren. Erst sitzen, dann kämpfen. Mal genießen, dass sich jemand für dich entschieden hat. Dass dich jemand anschaut und eigentlich ganz gut zufrieden ist. Überhaupt, dass wir gesehen und wahrgenommen werden, in dieser Welt, in der wir kleinen Leute doch gerne übersehen werden.
Und deswegen wird es Weihnachten. Egal, ob mit oder ohne Baum. Weihnachten wird es auf jeden Fall. Sogar ohne Geschenke. Und ohne dickes Essen. Und ohne große Sippentreffen und Stau auf der Autobahn. Weihnachten wird es einfach so. Gott hat das so entschieden und er hat uns nicht einmal gefragt. Er macht einfach. Er macht. Wir haben Pause.
Ich finde das gut. Ich bin ein Weihnachtsfan. Aber trotzdem finde ich das gut so, wie Gott das macht.
Ja, morgen gehe ich auch wieder los und reihe mich in die Schlangen ein. Und ich habe auch nicht gegen diese ganze Betriebsamkeit und möchte auch niemand diese Stimmung miesmachen. Morgen drücke ich auch wieder meine Computermaus und lade ein Buch als Geschenk in den Einkaufswagen. Aber heute, hier und jetzt lasse ich die Seele baumeln und genieße es, von Gott ein offenes Fenster voll frischer Luft zu bekommen. Eine kleine Brise Erholung. Das tut gut.

Es sind noch 2 Wochen bis Weihnachten.
Man muss ja warten können. Das scheint mir das Geheimnis dieser Zeit zu sein.
Wo wir eigentlich voller Termine und Vorbereitungen stehen. Vielleicht ist deswegen die Adventszeit eigentlich eine Passionszeit. Ohne viel Aufregung. Ganz still und leise, darf es ruhig sein. Damit wir Gelegenheit haben zu genießen.
Warten können. Licht aus! Die Stille spüren.
Bei einer Tasse Tee oder Kaffee. Oder einem Glas Wein. Ganz, wie Sie mögen. Mit selbstgekauften oder geschenkten Keksen. Sollen doch die anderen Backen. Ich mach mal nichts. Ich mach mal Pause. Sollen doch die anderen laufen und hetzen. Ich genieße die Zeit.
Das Jetzt und Hier. Morgen gehe ich vielleicht wieder los. Aber jetzt: Licht aus!

Weihnachten ist die Zusage, dass wir aussteigen können und dürfen aus dem Karussell des immer besser, immer schneller, immer mehr. Wir brauchen nicht länger mitzumachen, wir dürfen einfach sein. Also mach das Licht aus!
Wir müssen niemandem beweisen, dass wir gut und toll und attraktiv sind.
Gott liebt uns so, wie wir sind.
Wir können unser Leben aushalten, weil einer da ist, der mit geht. Wir brauchen nicht einen auf Hochglanz zu machen. Wir können und dürfen uns den Erwartungen der anderen an uns entziehen, wenn wir so sein sollen, wie sie uns gerne hätten. Wir können und dürfen unsere Fragen und unserer Sehnsucht trauen. Wir können daran glauben, dass es da etwas gibt, was unseren Alltag überschreitet und überspannt. Wir sind beschirmt und behütet. Wir dürfen glauben, dass etwas oder besser jemand ist, der meinem Leben Sinn gibt. Auch wenn es nicht so läuft, wie von mir selbst gedacht oder erhofft.
Das Entscheidende ist nämlich längst geschehen: Gott ist da. Und Gott ist nicht irgendwo, sondern genau hier. Bei mir und dir. In deinem Alltag. In deinem Stress. In deiner Schulklasse und an deinem Arbeitsplatz. Da muss man mal drüber nachdenken. Gott ist für dich.

Darum: Licht aus! Dämmerstunde.
Lass uns mal die Zeit anhalten. Lass uns mal warten. Auf uns selbst. Damit unsere Seele nachkommen kann. Damit nicht wir immer dem Leben hinterher hecheln, sondern das Leben in unserem Tempo fortschreitet.
Lass uns mal stillstehen. Nur einen kurzen Moment, den aber ganz bewusst.

„Es beeindruckt mich, wenn ich auf den ersten Seiten des Lukasevangeliums lese, dass alle Menschen, von denen ich da lese, warten. Zacharias und Elisabeth warten. Maria wartet. Simeon und Hanna, die im Tempel waren, als Jesus hereingebracht wurde, warten. Sie alle warten. Das ganze erste Kapitel ist wie eine Bahnhofshalle voller wartender Menschen. Und durch die Lautsprecher in der Halle hören sie diese Worte: ‚Habt keine Angst! Ich habe euch etwas Gutes zu sagen!’“, sagte einmal der niederländische Theologe Henri Nouwen.

Wir hören: Weihnachten wird unterm Baum entschieden. Spute dich, du hast noch 2 Wochen. Bring es auf die Reihe, Mann.

Aber wartende Menschen hören: „Habt keine Angst! Ich habe euch etwas Gutes zu sagen!“
„Ich habe bereits alles vorbereitet. Es ist alles klar. Weihnachten kann keiner mehr aufhalten.
Alles, was du tust und tun willst, ist wunderbar und geb dir soviel Mühe und Aufwand, wie du willst, aber du darfst auch wissen: Daran liegt es letztlich nicht. Ich habe Weihnachten in der Hand, nicht du.“

Die meisten Menschen, die ich kenne, warten nicht gerne. Auch ich warte nicht gerne. An Supermarktkassen werde ich schnell unruhig und wenn Kaffeebesuch auf sich warten lässt, dann fange ich einfach schon mal an. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, meinte Gorbi, der wartete bestimmt auch nicht gerne.

Vielleicht sehen wir Warten aber einfach zu sehr als etwas Passives. Wir fühlen uns gelähmt und ausgeliefert.
„Im Warten, von dem die Bibel spricht, gibt es dieses Passive nicht. Diejenigen, die warten, tun das sehr aktiv. Sie wissen, dass das, worauf sie warten, aus dem Boden wachsen wird. Ja, schon jetzt wächst. Wenn wir überzeugt sind, dass eine Saat in den Boden gelegt worden ist und dass bereits etwas begonnen hat, verändert das auch die Art, wie wir warten.“ (Henri Nouwen)
Wenn ich weiß, dass mein Kaffeebesuch, bereits losgefahren ist, wartet es sich eben anders, als wenn ich nicht weiß, wo die lieben Leute sich gerade befinden. Deswegen sind Handys ja auch so praktisch.

Gott hat die Saat seiner Liebe bereits hier in diese Welt gesenkt. Von Anfang an.
Gott spricht: „Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr’s denn nicht?“ (Jes 43,19) In Jesus, dem neugeborenen Kind in der Krippe ist es deutlich. Hier fängt Gott etwas Neues an. Mit uns. Mit dieser Welt. Sehen wir es denn nicht?

Ich stehe nicht gerne in der Gegend rum. Aber Warten im Sinne der Bibel ist auch etwas anderes. Warten bedeutet Zuschauen, wie etwas entsteht. Wie etwas wächst. Wie etwas passiert. Schau hin was Gott macht!

Wenn wir gehen oder mit dem Auto oder Zug fahren, sehen wir normalerweise nur für Bruchteile von Sekunden was uns alles begegnet. Der Tag fliegt an uns vorbei, ohne dass wir ihn wahrnehmen. Die durchschnittliche Betrachtungszeit, so haben Wissenschaftler herausgefunden, ist in den letzten 50 Jahren immer kürzer geworden. Man hört das ja immer: „Die Welt dreht sich immer schneller.“ Vielleicht aber auch, weil wir immer schneller wahrnehmen. Darum habe ich zum Schluss einen kleinen Tipp für Sie für die nächsten zwei Wochen: Probieren Sie doch mal, Dinge mindestens 5 Sekunden lang anzuschauen.
5 Sekunden sind eine lange Zeit, wenn man bewusst guckt. Aber genau dieses verlängerte Anschauen kann, so haben dieselben Wissenschaftler entdeckt, die Lebensfreude und die Lebensqualität spürbar steigern. (nach: Simplify your life, S. 177)

Das meint die Bibel mit Warten.
Länger hinschauen. Sich selbst bewusst sein. Sich öffnen, für das was zählt. Sich selbst wahrnehmen. Dafür braucht man nicht mal Licht. Licht aus!
Dazu reichen aufmerksame Gedanken. Sich selbst sehen als von Gott geliebter Mensch auf dem Weg zur Krippe. Denn es wird Weihnachten.
Zwei Wochen dürfen wir noch warten. Ganz schön spannend, wie Weihnachten so wird!
Amen.

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Vom Umgang mit Trauer

Predigt zum Ewigkeitssonntag 2011

Wenn man sich in die Geschichte des Toten-/Ewigkeitssonntags hinein vertieft und erfährt, wie der Tag entstanden ist, dann denkt man: Warum eigentlich ausgerechnet jetzt Ende November? Es scheint bloße Willkür zu sein. Und es hätte auch jeden anderen Tag im Jahr treffen können. Der letzte Sonntag im Januar oder Mai, z.B. oder September…
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen bestimmte durch ein Gesetz (vom 17.11.1816) den letzten Sonntag des Kirchenjahres zum „allgemeinen Kirchenfest zur Erinnerung an die Verstorbenen“.
Doch es war eine wahrhaft königliche Entscheidung, diesen Tag so zu legen.
Wer denkt schon im Mai an die Vergänglichkeit des Menschen? Da ist doch die Natur schon längst in jede Ritze gekrochen und hat mit ihrem satten Grün auch den letzten Winkel erobert. Es duftet frisch und lebendig. Es wuselt vor Leben.
Abschiednehmen, Tod, Sterben und die Erinnerung daran passen dagegen tatsächlich besser in den November. Wenn die Pflanzen sich zurück ziehen und ihre Kräfte in den Wurzeln sammeln. Wenn die Bäume ihr Laub abschütteln wie den Staub von den Füßen und sich zur Ruhe begeben. Wenn der Wind um die Ecke heult und der Himmel schweren Regen weint.
Wenn die Natur sich zurückzieht, dann haben auch wir Menschen Muße um zu Gedenken und zu Erinnern. Dann ist uns nach tiefen Gedanken und Melancholie.
Nehmen Sie sich daher ruhig die Natur zum Vorbild und gönnen Sie sich diese Tage der Trauer und des Wehmuts. Ich sage wirklich „gönnen“. Denn unsere moderne Welt will sie eigentlich nicht sehen, unsere Tränen, unsere Ängste, unseren Abschied. Da heißt es nur: Zeit ist Geld – also nimm sie dir nicht. Es könnte zu teuer werden.
Doch ich setze dagegen: Gönnen Sie sich diese Tage der Erinnerung und des Gedächtnisses.
November ist ein guter Monat, um die Gedanken schweifen zu lassen, Fotoalben hervorzuholen und sie sich anzusehen. Erinnerungen auszutauschen. Im Kerzenlicht zu sitzen. Zu weinen und zu trauern.
Egal wie lange ihr Verlust schon her ist. Ob in diesem Jahr oder dem letzten oder gar dem vorletzten. Denken Sie einmal nicht daran, was wohl die Nachbarn reden könnten. Die Nachbarn oder sonst wer sind jetzt völlig egal. Lass das Dorf doch quatschen. Diese Zeit gehört nur dir und dem, den du verloren hast oder das, was du verloren hast. Denn vielleicht trauerst du auch um die verloren gegangene Gesundheit oder den Arbeitsplatz oder die geplatzte Chance im Leben.
Man muss auch mal traurig sein dürfen. Und heute ist der Tag dafür. Es ist Ewigkeitssonntag.
Man muss auch mal mürrisch sein dürfen. Nicht immer nur auf Hochglanz poliert und mit guter Laune im Gesicht. Man muss auch mal in sich gekehrt und nachdenklich, ungesellig und grüblerisch sein. Im November allemal. Wann denn sonst? In der Kirche ohnehin – wo denn sonst?
Also drücken sie ihre Schwermut nicht weg, sondern lassen sie sie zu. Endlich – vielleicht.
Viele Menschen haben Angst vor ihrer eigenen Trauer.
Sie schieben sie weg. Verdrängen Sie. Möchten nicht erinnert werden. Tun schnell so, als sei nichts geschehen. Nach außen hin. Wie es innen drin aussieht geht angeblich schließlich keinen was an…. Naja.
Worüber wird nicht den lieben langen Tag redet, aber über die eigenen Sorgen und Probleme, Ängste und Nöte redet man dabei kaum. Die fressen viele lieber in sich hinein und ziehen sich zurück, statt die Gemeinschaft zu suchen.
Und wenn man auch nicht mit jedem reden mag, so haben wir doch noch Profis im Ort, die zuhören können und zuhören mögen. Die Ärzte, den Pastor. Wir dürfen das stärker nutzen und uns Gehör verschaffen. Und wer das tut ist dann trotzdem noch kein chronischer Fall, und auch nicht reif für die Klapsmühle. Man ist dann einfach ein Stück seiner Sorgen los. Man hat sie sich von der Seele geredet. Das geht wirklich!
Geteiltes Leid ist halbes Leid. Wer es probiert hat, weiß wovon ich rede.
Manche Menschen haben auch Angst aus ihrer Trauer nicht mehr herauszukommen. Sie fürchten, stecken zu bleiben in einer dauernden, chronischen Depression. Nun mag es so etwas geben, aber meiner Meinung nach sollte man lieber einmal richtig trauern als immer mal wieder ein bisschen. Denn dann meldet sich die Trauer evtl. heftig und überfallartig auch noch nach Jahren.
Es hilft wohl eher gesund zu bleiben, wenn man sich seiner Tränen nicht schämt. Auch Männer können weinen, übrigens. Ich kenne zumindest keinen Indianer, der teflonbeschichtet ist. Die, die ich kennen gelernt habe und es waren tatsächlich echte Indianer darunter, sie waren alle aus Fleisch und Blut und hatten Gott sei Dank Gefühl – beides Lachen und Weinen!
Gönn dir deine Trauerzeit. Wie lange sie auch bis jetzt gedauert hat. Es ist nie zu spät damit anzufangen. Spür dem Schmerz nach, den der Verlust gerissen hat. Ergründe die Leere und fülle sie nicht wieder zu schnell. Ein Mensch ist gestorben – da muss man mal innehalten.
Es ist gut, sie gehabt zu haben, diese Zeit der Tränen und des bewussten Abschieds. Wie unterschiedlich lange sie auch bei jedem dauern mögen.
Denn dann kann es auch neue Chancen und ein neues Leben geben nach dem Abschied, nach dem Tod. Dann kann das Weiterleben gelingen. Neue Lust kann aufflammen und neuer Mut wachsen. Nur wer weint kann sich Tränen abwischen und trösten lassen. Nur wer getrauert hat, kann wieder frei und fröhlich lachen. Neue Pläne schmieden. Das Leben meistern, neue Schritte wagen, kräftig zupacken, den Kopf zur Zukunft wenden.
Und das Alte wie einen Schatz mit sich tragen. Der bereichert und nicht beschwert. Der glücklich macht und nicht hinunter zieht. Der im kalten Winter wärmt und nicht selbst für kalte Füße sorgt. Der Farbe gibt im tristen Grau in Grau.

“Wir wollen nicht trauern, dass wir ihn verloren haben, sondern dankbar sein dafür, dass wir ihn gehabt haben, ja, auch jetzt noch haben, denn wer heimkehrt zum Herrn, bleibt in der Gemeinschaft der Familie Gottes und ist nur vorausgegangen.“
Es ist ein altes Wort. Der Kirchenvater Hieronymus (331-420) hat es gesprochen. Es muss ein Mann gewesen sein, der gewusst hat, wie man trauert. Und sein Satz ist für mich eine Kraftquelle im Umgang mit dem Abschiednehmen, vor das der Tod uns stellt.
Denn mit diesem Satz rückt Hieronymus mich ins Licht Gottes und lässt mich die Welt mit Gottes Augen sehen. Und was sehe ich da?
„Und ob ich schon wanderte im finstern Tal fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.“ (Psalm 23,4) Diese Wirklichkeit steht mir vor Augen, wenn ich mit Gottes Augen unsere Welt betrachte. Ich bin nicht allein auf dieser Welt. Da ist Gott, der mich führt und leitet wie ein guter Hirte seine Schafe. Da ist einer, der mich in den Händen hält, wenn mich selbst sonst nichts mehr halten kann. Da ist einer, wo ich mich bergen kann, wenn sonst aller Schutz zerborsten ist und der Tod seine mächtige Sichel geschwungen hat.
Das was endgültig scheint ist es nicht.
Das was unausweichlich auf uns alle wartet, lähmt nicht. Ich brauche keine Angst vor dem Tod zu haben und ich brauche keine Angst vor meiner eigenen Trauer zu haben, denn jedes Sterben und jeder Tod und alle Trauer wird bei Gott verwandelt. Denn einer blieb nicht im Tod: Jesus Christus. Und weil Jesus lebt haben wir Hoffnung, haben wir Zukunft, steckt noch immer Leben in uns, auch wenn der Tod durch unseren Ort gegangen ist. Als Weiterlebende, die wir sind haben wir neue Tage vor uns, die Gott uns in seiner Gnade schenken möchte. Das hält Gott für uns bereit. Haben wir doch Vertrauen hier im Leben und im Sterben.
Für seine Kinder ist dies eine hoffnungsfrohe Botschaft.
Wir sind nicht nur in dieser Welt von Gottes Liebe umfangen, sondern auch in der anderen Welt, wenn wir die Linie des Todes überschritten haben.

„1 Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der erste Himmel und die erste Erde waren verschwunden und das Meer war nicht mehr da.
2 Ich sah, wie die Heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkam. Sie war festlich geschmückt wie eine Braut für ihren Bräutigam.
3 Und vom Thron her hörte ich eine starke Stimme rufen: »Dies ist die Wohnstätte Gottes bei den Menschen! Er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein. Gott selbst wird als ihr Gott bei ihnen sein.
4 Er wird alle ihre Tränen abwischen. Es wird keinen Tod mehr geben und keine Traurigkeit, keine Klage und keine Quälerei mehr. Was einmal war, ist für immer vorbei.«
5 Dann sagte der, der auf dem Thron saß: »Gebt Acht, jetzt mache ich alles neu!« Zu mir sagte er: »Schreib dieses Wort auf, denn es ist wahr und zuverlässig.«
6 Und er fuhr fort: »Es ist bereits in Erfüllung gegangen! Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Wer durstig ist, dem gebe ich umsonst zu trinken. Ich gebe ihm Wasser aus der Quelle des Lebens.“ (Offb 21,1-6 – Gute Nachricht Bibel)

So wird es im Himmel sein. Gar nicht so sehr anders als hier auf der Erde. Aber eben ohne alles Schlechte, ohne alle Last, ohne Krankheit und Tod und Trauer und Tränen. Weil ohne Sünde. Alles, was die Welt und unser Leben jetzt beschwert, wird es dann nicht mehr geben.
Ich lebe gerne, aber ich freue mich auf den Himmel. ich freue mich auf die Leichtigkeit und das Licht, das aus Versen wie diesen aus der Offenbarung hervorbricht.
Und ich freue mich darauf, die Menschen, die ich in meinem Leben bisher verloren habe, wiederzusehen. Wie einen meiner besten Freunde, der sich vor 11 Jahren das Leben nahm.
Von diesem Himmel, von diesem Ziel lasse ich mich ziehen in diesem Leben.
Ich habe es immer wieder vor Augen. Da möchte ich hin. Und weil ich mir den Himmel von Gott schenken lassen möchte, öffne ich schon jetzt immer wieder die Hände und halte sie Gott hin. Füll sie Gott, füll mich selbst, lieber Vater im Himmel.
Fülle mich mit deiner Kraft, mit deiner Freude, mit deiner Gnade, mit deinem Licht. Dann habe ich Mut und Glaube und Hoffnung für jeden Tag.

So kümmert sich Gott um seine Kinder, damit sie nicht verkümmern und wieder neu aus dem Tal des Todes in das Leben zurückkehren.
Und das Vergangene wird zum Schatz in unserem Herzen, der uns bereichert aber nicht lähmt. Seit der Auferstehung von Jesus Christus von den Toten, seit Ostern, durchleuchtet das Licht des Lebens diese Welt. Es ist das Licht des Schöpfers, der uns nicht vernichten, sondern einladen möchte zum ewigen Leben mit ihm.
Amen.

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Nie zufrieden, weil nie genossen.

Predigt an Buß- und Bettag 2011 zu Mt 12,33-35

Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben. (Sprüche 14,34)

In Anbetracht des Bibelverses für diesen Buß- und Bettag und diesen Gottesdienst und der allgemeinen Lage in Deutschland bin ich versucht, eine politische Predigt zu halten. Es ließe sich eine Menge sagen über Wirtschaftsbosse und Politiker, Banken und Banker, Gier und Geiz, wir und die anderen. Wir könnten den Kopf senken und ihn betroffen schütteln über die Mengen an produzierten Nahrungsmitteln, die in unserem Land weggeworfen werden, noch bevor sie das Licht der Läden und Supermärkte überhaupt erblickt haben. Und wir könnten darüber sprechen wie nicht nur in der fernen sogenannten Dritten Welt die Menschen jeden Alters an Hunger sterben. Es passiert nicht nur dort, sondern mitten unter uns, auch hier in Europa. Gleich um die Ecke in Osteuropa, wie Rumänien. Wir könnten dann weitergehen und uns die Klimakatastrophe vornehmen, die Ölkatastrophen, die gerade erst waren und doch schon längst wieder vergessen sind. Die Wüstenbildung in Frankreich und Spanien und die Überschwemmungen in Thailand. Usw.
Alle drei Sekunden stirbt ein Mensch, hauptsächlich Kinder, an Hunger irgendwo in unserer Welt. Es sind Daten und Zahlen, die uns kaum noch berühren. Viel zu häufig haben wir sie schon gehört und viel zu häufig haben wir festgestellt, dass wir doch nicht viel ändern oder tun können.

Liegt unsere Welt, liegt unser Land von Problemen und Sorgen belastet so danieder – vorausgesetzt es tut es wirklich – weil wir so sündig sind? Sind wir darum im Verderben, weil wir so viel Sünde auf uns geladen haben? Geht es darum allerorten bergab mit uns? Welche Sünde könnte gemeint sein?
Mangelt es an Gerechtigkeit?

Das scheint hier ja ein Schlüsselwort zu sein. Denn die „Gerechtigkeit ist es, die ein Volk erhöht“. Es scheint nach diesem Vers auch das Gegenteil von Sünde zu sein, denn wie zwei Pole so sind in diesem Vers die beiden Worte „Gerechtigkeit“ und „Sünde“ einander gegenübergestellt.
Das heißt, da wo Gerechtigkeit herrscht hat Sünde keinen Platz und da wo Sünde ist, mangelt es an Gerechtigkeit. Und dabei ist zusätzlich klar: Gerechtigkeit tut gut, während Sünde zerstört.

Gerechtigkeit erhöht ein Volk; aber die Sünde ist der Leute Verderben. (Sprüche 14,34)

Wir kommen diesem Vers und seiner Bedeutung besser auf die Spur, wenn wir noch den Bibeltext für diesen Gottesdienst hinzunehmen.

33 »Wenn ihr einen gesunden Baum habt, habt ihr gute Früchte von ihm zu erwarten. Wenn ihr einen kranken Baum habt, habt ihr schlechte Früchte von ihm zu erwarten. An den Früchten ist zu erkennen, was der Baum wert ist.
34 Ihr Schlangenbrut! Wie könnt ihr Gutes reden, wo ihr doch böse seid! Denn wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund.
35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er im Innersten gut ist. Ein schlechter Mensch kann nur Böses hervorbringen, weil er von Grund auf böse ist. (Mt 12)

Das ist schon etwas, das wir eher verstehen. Stammt es doch aus unserem Leben. Von Obstbäumen haben wir schon gehört. Die kennen wir und haben so manchen in unserem Garten. Wir kennen das Schöne an ihnen und die Probleme die sie haben oder machen können. Das Herrliche an ihnen ist natürlich ihre Blüte und die darauf folgende Frucht. Es werden – weltweit (Asien!) – Blütenfeste gefeiert, wenn die Kirsche in vollem zarten Rosa steht. Wir Menschen atmen auf, wenn wir es sehen, denn es ist ein untrügliches Zeichen, dass der Frühling und mit ihm das pralle Leben vor der Tür steht. Und wenn dann erst die Früchte reif sind …. ein Genuss!
Damit das auch alles klappt, haben wir Menschen durchaus Arbeit mit den Bäumen. Wir müssen sie im Winter beschneiden. Den Boden pflegen. Die Bäume und ihre Blüten vor Krankheiten und Schädlingen schützen (oder zumindest viele Nützlinge anlocken). Wir müssen für einen guten Standplatz sorgen, wo es feucht und sonnig ist. Und wir müssen geduldig sein.
Dann kann der Baum gedeihen und gute Früchte bringen. Andersfalls wird es irgendwo nicht so rund laufen und die Ernte wird schlechter ausfallen. Oder gar nicht. Der Baum kann sogar absterben und wir müssen ihn dann entfernen und entsorgen.

Nur, wer gute Frucht bringt, wird wachsen und gedeihen dürfen.
Doch eben nur bei guter Frucht. Schon Durchschnitt wird man sich kaum leisten können. Es muss schon was drauf sein auf dem Baum, sonst lohnt er die Mühe nicht. Kostet zuviel und bringt zu wenig ein. An der Frucht kann man es erkennen und unterscheiden und Entscheidungen treffen. Das ist in der großen Wirtschaft nicht anders als im heimischen Garten und bei den Bankern nicht anders als auf dem privaten Konto. Oder glauben wir wirklich, dass gierig und geizig nur die anderen sind und wir uns als Normalbürger im gemütlichen Licht der Rechtschaffenheit sonnen können? Wir haben eine Staatsverschuldung von gut 2 Billionen Euro. Gleichzeitig haben alle privaten Haushalte (also wir) insgesamt 4,76 Billionen Euro auf der hohen Kante. Irgendetwas läuft da doch schief. Und dass die Schulden und die Guthaben auch noch ungleich verteilt sind, macht es nur noch schlimmer.

Im Bibelwort, im Jesus-Wort geht es ja nicht um eine Lektion im Unterricht für die Baumschulen. Wir haben es mit einem Bibeltext für Menschen zu tun. Es geht um uns und unsere Frucht. Bringen wir welche? Gute oder schlechte?

Wir dürfen an diesem Tag in uns hineinhorchen.
Wir haben Gelegenheit in uns hineinzufühlen. Wie sieht es aus bei mir und bei dir?

Lassen Sie sich konfrontieren mit sich selbst. Mit dem, was sie normalerweise unter den Teppich kehren oder in ihr Herz einschließen, damit es keiner sieht. Die eigene Gier, den eigenen Neid, die Unzufriedenheit mit dem Leben und sich selbst. Die Lasten, die sie tragen und nachtragen und nicht loswerden und nicht loslassen wollen, weil sie mittlerweile längste ein Teil von Ihnen sind und Sie nicht wissen, was denn an deren Stellen treten würde.
Scheuen sie nicht die Begegnungen mit ihren Zeiten, wo sie betrogen und gelogen haben und sei es auch „nur“ sich selbst. Wo sie Seilschaften bedient und Menschen ausgenutzt haben. Wo sie sich scheinheilig beruhigt haben mit den Worten: Das macht doch jeder so!
In früheren Jahren hatte man – mit Martin Luther – die Zehn Gebote als Beichtspiegel genommen (vielleicht haben sie das noch im Konfirmandenunterricht gelernt) und sich gefragt: Habe ich den Feiertag geheiligt? Vater und Mutter geehrt? Den Namen Gottes missbraucht? Schlecht über einen Mitmenschen gesprochen. War ich neidisch auf das Eigentum meines Nächsten oder habe ich ihm seine Frau oder seinen Mann ausspannen wollen? Ist Gott mein Gott oder laufe ich hinter einem Götzen her?
Kurz: Habe ich gegen die Zehn Gebote verstoßen?

So eine Begegnung mit sich selbst kann schmerzhaft sein. Wenn man erkennt, dass man selbst nicht den Maßstäben genügt, die man gerne an andere anlegt, auch an „die da oben“.
Aber es ist nun einmal die Wahrheit:
Wir werden als Menschen schuldig aneinander, an uns selbst und an Gott.
Das ist so.
Wir sind keine Bäume, die immer nur gute Früchte bringen. Und das große Chaos unserer Welt hat seine Wurzeln auch bei uns. Nicht nur woanders. Auch bei uns.

Doch diese Erkenntnis allein reicht noch nicht. Sie macht uns noch nicht frei. Auch wenn es ein erster Schritt ist.

Aber das wäre so, als wenn wir bei einem Baum, dem es an Nährstoffen fehlt, genau das lediglich feststellen würden, ohne etwas dagegen zu tun. Allein durch die Diagnose wird sein Mangel nicht behoben. Es bedarf auch einer Therapie, damit er wieder gute Früchte tragen kann.
So auch bei uns.
Und die Therapie gegen Schuld ist Vergebung, Versöhnung, Neuanfang.
Horchen Sie in sich hinein und versuchen Sie ihre Schuld zu benennen. Was hat sie getrennt einmal oder noch immer von anderen Menschen und was in ihrem Leben passt nicht zu einem Leben mit Gott? Und dann gehen Sie zu Gott und bekennen sie ihre Schuld.

Wissen Sie, ich bin mir sicher, wir haben Gott missverstanden. All die Jahre ist uns gesagt worden, wir hätten dieses eine Leben und Gott einen Plan mit uns und wenn wir es nicht bringen in unserem Leben uns und seinen Plan zusammenzudenken dann sind wir selbst schuld. Wenn wir nicht hören, dann kann Gott uns am Ende nicht helfen. Dann, wenn er uns die Rechnung bringt und Gericht hält und unser Leben begutachtet und uns scheidet zwischen Gut und Böse, zwischen Schafen und Böcken, zwischen gerettet und für immer verloren.
Generation für Generation wurde es den Menschen so gepredigt und gelehrt. Wir haben Gott weit weg gedrängt und zu einem unsicheren, willkürlichen Wesen gemacht, bei dem man nie genau weiß, ist er für mich oder gegen mich. Sagt er zu mir als Person „ja“ oder „nein“? Dabei steht in der Bibel, dass Gott zu uns „ja“ sagt (2. Kor 1,19). Ohne Bedingungen und Vorbehalte. Wir haben das Gericht und die Gnade auseinander gezogen, so als ob Gott erst gnädig und dann gnadenlos richtend wäre. Dabei ist sein Gericht seine Gnade und nur durch die Gnade zu verstehen. Wissen Sie, das Gericht ist gut und keine Strafe.
Aber vielen Menschen wurde Angst gemacht und viele wurden in religiöse Betriebsamkeit hineingedrängt und Gott wurde als Buchhalter und Erbsenzähler lächerlich gemacht. Das Evangelium der Gnade wurde zur Drohbotschaft der Anstrengung und Leistung verdreht. Und alles klang ausnehmend fromm und biblisch richtig. War es aber nicht.

Sie kennen Kain und Abel.
Diese beiden Brüder, Söhne von Adam und Eva. Und sie wuchsen auf und begannen Gott zu dienen. Der eine, wie der andere. Doch Gott mochte das Opfer von Kain nicht, während er das Opfer Abels gut hieß. Kain wurde darüber sehr ärgerlich. Man kann ihn verstehen. Und Gott sagte: „Wenn du fromm bist, so kannst du frei den Blick erheben. Bist du nicht fromm, so lauert die Sünde vor der Tür, und nach dir hat sie Verlangen; du aber herrsche über sie.“ (1. Ms 4,7)
Aber Kain herrschte nicht über die Sünde, im Gegenteil. Kurz darauf ging er mit seinem Bruder auf ein Feld und erschlug ihn dort.

Was ist falsch gelaufen? Bei Kain? Beide haben geopfert. Aber warum wurde Kains Opfer nicht gewürdigt? Denken Sie mit: Das Opfer Kains war das genaue Gegenteil eines Dankopfers. Es war eine Gabe an Gott. Was ist schlecht an einer Gabe? Wir geben doch auch: Kollekte, Zeit, Vertrauen, Kraft, Anstand und Moral, viele beten, lesen Bibel, zur eigenen Freude und um Gott zu zeigen, dass man ein treuer Nachfolger ist. Was ist falsch daran?
Die Gabe Kains war zugleich Forderung: ich gebe dir, Gott, du gibst darum mir.
Kain sagt Ja zu Gott und damit doch Nein.
Darum wurde sein Opfer nicht anerkannt. Das falsche Ja machte alles nur noch schlimmer. Kain hat sich und Gott belogen, weil er meinte, er könnte Gott gegenüber etwas zurückgeben und darum zugleich zurückfordern für sein Opfer.(*)

Tappen Sie nicht in die Falle des Kain! Obwohl er fromm tat und äußerlich alles richtig machte und wir ihn heute als frommen, bibeltreuen Christen loben würden, wenn er unter uns wäre, ein anerkannter Mitarbeiter in der Gemeinde, belog er sich selbst und alle andere gleich mit, inklusive Gott.
Wir können Gott nichts zurückgeben, uns nicht würdig erweisen für seine Liebe, für seine Gnade. Wir können es nicht.
„Ohne mich könnt ihr nichts tun“, sagt Jesus (Joh 15). Nichts. Und das meint er auch so.
Wir können nur mit ihm. Nur er durch uns. So ist er der Weg und das ist die Wahrheit und das meint das Leben.
Lüge zerstört. Lüge vernichtet und entzweit. Kain konnte mit seinem Bruder irgendwann nicht mehr zusammen sein. Er musste alles verlassen. „Unstet und flüchtig“ wurde er, so heißt es in der Bibel. So wie wir. Immer auf der Suche nach dem nächsten Highlight. Dem nächsten Schnäppchen. Den meisten Zinsen. Dem leckersten Essen. Immer auf der Suche nach mehr. Niemals zufrieden, weil niemals genossen.

Dabei wäre genau das die Lösung. Lassen Sie sich die Liebe Gottes gefallen. Legen Sie alle Masken und Rüstungen ab und lassen Sie es zu, dass Gott Ihnen seine Liebe und Gnade zusprechen kann. Es gibt nicht mehr: Du musst. Es gilt: Ich habe alles bereits für dich getan.
Es ist Gottes Liebe, die uns einlädt, herbittet und auffordert, in uns hineinzuhorchen und die Schuld zu bekennen. Keine Angst vor Strafe, keine Angst vor einem schlechten Gewissen.

Buß- und Bettag ist der Tag der Besinnung. Ab heute kann alles anders werden. Es ist der Tag des Brückenbauens. Brücken der Versöhnung zwischen Gott und Mensch und zwischen Mensch und Mensch. Aber immer und immer hat Gott begonnen die erste Brücke zu bauen. Wir sind nur Empfänger! Wir sind nur Nutznießer, Genießer.
Sünde zerstört die Beziehungen und Kontakte in denen wir leben. Es können dann keine guten Früchte wachsen. So sehr wir uns auch bemühen alles schön zu reden und zu malen.
Wenn wir faule Bäume sind, dann werden wir auch faule Früchte tragen. Und die Sünde ist der Leute Verderben.
Gerechtigkeit aber erhöht ein Volk! Gott ist verlässlich positiv. So dass wir Vertrauen fassen können.
Und Gerechtigkeit kommt von Gott. Öffnen wir die Hände. Öffnen wir unser Herz. Öffnen wir unseren Verstand und öffnen unsere Kraft. Damit Gott uns füllen kann. Und wir gute Bäume werden, die gute Früchte tragen. Früchte, wie Paulus (Gal. 5,22) sie beschreibt: „Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.“

Das sind gute Früchte und dadurch wird unser Land, ja unsere Welt gesund.

Ohne Jesus können wir nichts tun. Mit aber ist alles möglich. Seine Liebe befähigt uns. Seine Last ist leicht. Sein Weg führt an Ziel. Er hat alles für uns getan. Freuen wir uns doch darüber! Und steigen wir aus Freude und Dankbarkeit ein bei ihm und werden wir Teil der Menschen, die ihm folgen und machen wir mit bei seiner Arbeit, diese Welt zu verändern. Damit in Zukunft nicht mehr alle 3 Sekunden ein Mensch verhungern muss.

Horchen Sie in sich hinein und lassen sie sich dann in Verbindung bringen mit Jesus Christus, dem Zweig des Lebens und der Liebe und der Frucht. Er möchte sich gerne bei Ihnen andocken und Ihnen das Leben schenken, damit Früchte wachsen können. Damit seine Gerechtigkeit Sie erhöht und mit Ihnen unser ganzes Volk!

Amen.

(*) Idee nach Prof. Eberhard Jüngel

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